Die Arztsuche der KV Berlin: der erste Weg
Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin führt das Verzeichnis aller Praxen, die gesetzlich Versicherte behandeln dürfen. Ihre Arzt- und Psychotherapeutensuche ist deshalb die verlässlichste Quelle, verlässlicher als Bewertungsportale, die nur die Praxen zeigen, die dort eingetragen sind.
Du kannst nach Fachgebiet, Bezirk oder Postleitzahl, Sprechzeiten, Fremdsprachen und Barrierefreiheit filtern. Für die Hausarztsuche wählst du „Allgemeinmedizin" oder „Innere Medizin, hausärztlich". Das Ergebnis zeigt Adresse, Telefon und Sprechzeiten, aber nicht, ob die Praxis gerade neue Patienten annimmt. Das erfährst du nur durch Anrufen, und dafür lohnt es sich, die Liste nach Laufweite zu sortieren und bei drei bis fünf Praxen zu fragen.
Wer auch Privatärzte sehen will, findet sie in der Suche der Ärztekammer Berlin, in der alle in Berlin tätigen Ärztinnen und Ärzte stehen, unabhängig von der Kassenzulassung.
Termin über die 116117: die Terminservicestelle
Wenn du bei der eigenen Suche nicht weiterkommst, übernimmt die Terminservicestelle. Unter der Nummer 116117, im E-Terminservice oder in der App vermittelt sie gesetzlich Versicherten einen Termin bei Fach-, Haus- und Kinderärzten sowie für ein psychotherapeutisches Erstgespräch. Der Terminservice der KV Berlin garantiert dabei eine Wartezeit von höchstens vier Wochen. Der Preis dafür: Du kannst dir die Praxis nicht aussuchen, und sie kann am anderen Ende der Stadt liegen.
Der Vermittlungscode
Für die meisten Facharzttermine verlangt die 116117 einen Vermittlungscode. Er steht auf der Überweisung, die du vom Hausarzt bekommst, und sagt der Servicestelle, wie dringend der Termin ist. Ohne Code vermittelt sie Termine bei Hausärzten, Kinder- und Jugendärzten, Augenärzten, Frauenärzten und für das psychotherapeutische Erstgespräch. Wer den Code auf der Überweisung nicht findet, fragt in der Hausarztpraxis nach, sie kann ihn nachträglich ausstellen.
Dringend, aber kein Notfall
Der Hausarzt kann die Überweisung als dringend kennzeichnen. Dann vermittelt die 116117 innerhalb weniger Tage, notfalls in eine Klinikambulanz. Das ist der Weg, wenn eine Untersuchung nicht Wochen warten kann, du aber kein Fall für die Rettungsstelle bist.
Hausarzt oder Facharzt: wer zuerst
In Berlin kannst du mit der Versichertenkarte direkt in eine Facharztpraxis gehen, eine Überweisung ist dafür meist nicht Pflicht. Trotzdem lohnt es sich, mit einem festen Hausarzt zu beginnen. Er kennt deine Vorgeschichte, entscheidet, welcher Facharzt überhaupt zuständig ist, stellt die Überweisung mit Vermittlungscode aus und sammelt die Befunde an einem Ort. Viele Facharztpraxen in Berlin nehmen ohne Überweisung außerdem nur Notfälle oder langjährige Patienten an, weil sie voll sind.
Die Reihenfolge, die in der Praxis am besten funktioniert: Hausarzt suchen und dort aufgenommen werden, bei Bedarf Überweisung holen, selbst bei Fachpraxen in der Nähe anfragen, und erst wenn das nicht klappt, die 116117 mit dem Code anrufen.
Kassenpraxis oder Privatpraxis
Eine Kassenpraxis hat eine Zulassung der KV Berlin und rechnet direkt mit der gesetzlichen Krankenkasse ab; für dich ist der Besuch mit der Gesundheitskarte bezahlt. Sie behandelt auch Privatversicherte, die dann eine Rechnung bekommen und sie bei ihrer Versicherung einreichen. Eine reine Privatpraxis hat keine Kassenzulassung. Sie rechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte direkt mit dir ab, und die gesetzliche Kasse erstattet in der Regel nichts.
Woran du eine Privatpraxis erkennst: Sie steht nicht in der Arztsuche der KV Berlin, auf der Website fehlt der Hinweis „alle Kassen", und am Telefon wird nach der Versicherungsart gefragt. Wenn du unsicher bist, frage vor dem ersten Termin ausdrücklich, ob die Praxis gesetzlich Versicherte behandelt. Zwischenformen gibt es auch: Kassenpraxen, die einzelne Leistungen als Selbstzahlerleistung anbieten. Das ist erlaubt, muss aber vorher schriftlich vereinbart werden.
Notaufnahme, Bereitschaftsdienst oder Praxis
Berlins Rettungsstellen sind voll, und ein Teil der Wartenden dort gehört eigentlich in eine Praxis. Die Aufteilung ist einfach, wenn man sie einmal kennt:
112: der Rettungsdienst
Für lebensbedrohliche Situationen: Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, starke Atemnot, Bewusstlosigkeit, schwere Verletzungen, starke Blutungen. Der Rettungsdienst kommt und entscheidet, in welche Klinik es geht.
116117: der ärztliche Bereitschaftsdienst
Für Beschwerden, die nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, aber kein Notfall sind, nachts, am Wochenende und an Feiertagen. Am Telefon wird eingeschätzt, ob ein Rat reicht, eine Bereitschaftspraxis die richtige Adresse ist oder ein Arzt nach Hause kommt. Die Nummer ist dieselbe wie die der Terminservicestelle, die Aufgaben sind getrennt.
Die Praxis in der Sprechstunde
Für alles andere: Erkältung, Rückenschmerzen, Rezepte, Vorsorge, Krankschreibung, Überweisungen. Viele Berliner Praxen haben offene Sprechstunden, in denen du ohne Termin drankommst, meist morgens.
Die Rettungsstelle eines Krankenhauses ist für Notfälle da, nicht für den fehlenden Hausarzttermin. Wer dort mit einer Erkältung sitzt, wartet Stunden, weil dringendere Fälle vorgehen. Für Kinder gibt es in Berlin eigene Kindernotdienste und Kinderrettungsstellen, deren Adressen die 116117 nennt.
Wartezeiten und Tipps für Neuberliner
Wer neu in Berlin ist, sollte den Hausarzt suchen, bevor er ihn braucht. Ein paar Dinge, die den Einstieg leichter machen:
- Früh anmelden. Rufe in Praxen an, solange du gesund bist, und lass dich als neuer Patient aufnehmen. Mit einer Erkältung im Wartezimmer ist es zu spät für die Suche.
- Laufweite vor Ruf. Berlin ist groß, ein Arzt in Spandau nützt in Lichtenberg wenig. Suche im eigenen Kiez, dort funktionieren auch offene Sprechstunden.
- Morgens anrufen, Montag meiden. Die meisten Praxen vergeben Termine telefonisch zu Beginn der Sprechstunde. Montagmorgen ist die Leitung am vollsten.
- Sprache filtern. Die KV-Arztsuche zeigt, welche Sprachen in einer Praxis gesprochen werden. In vielen Bezirken findest du Praxen mit Englisch, Türkisch, Arabisch, Russisch oder Polnisch.
- Unterlagen mitnehmen. Gesundheitskarte, Impfpass, Medikamentenliste, alte Befunde. Wer aus dem Ausland kommt, klärt die Versicherung vor dem ersten regulären Besuch.
- Terminportale als Ergänzung, nicht als Ersatz. Online buchbare Termine sind praktisch, aber nur ein Teil der Praxen nutzt sie. Wer nur dort sucht, übersieht die Praxis um die Ecke.
Für Fragen zum Gesundheitswesen, zu Kliniken, Aufsicht und Berufsausübung ist in Berlin das Landesamt für Gesundheit und Soziales zuständig. Beschwerden über Praxen nimmt die KV Berlin entgegen, Fragen zur Abrechnung die eigene Krankenkasse.
Häufige Fragen zur Arztsuche in Berlin
Wie finde ich in Berlin einen Hausarzt, der neue Patienten aufnimmt?
Über die Arztsuche der KV Berlin nach Bezirk und Fachgebiet Allgemeinmedizin suchen und dann in den Praxen in Laufweite anrufen oder persönlich vorbeigehen. Viele Praxen nehmen neue Patienten an, sagen es aber nicht auf der Website. Wer niemanden findet, kann die 116117 anrufen: Der Terminservice vermittelt auch Termine bei Hausärzten, ohne dass du dafür einen Code brauchst.
Brauche ich in Berlin eine Überweisung für den Facharzt?
Für den Besuch selbst meist nicht, du kannst mit der Versichertenkarte direkt in eine Facharztpraxis gehen. Wenn du aber einen Termin über die 116117 vermittelt haben willst, brauchst du in der Regel einen Vermittlungscode, der auf einer Überweisung steht. Ausnahmen sind Augenärzte, Frauenärzte, Hausärzte, Kinderärzte und das Erstgespräch in der Psychotherapie: Dafür ist kein Code nötig.
Wie lange wartet man in Berlin auf einen Facharzttermin?
Wer direkt in einer Praxis anfragt, wartet je nach Fachgebiet und Bezirk von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Über die Terminservicestelle 116117 ist die Wartezeit auf höchstens vier Wochen begrenzt, dafür kannst du dir die Praxis nicht aussuchen und musst eine Fahrt innerhalb Berlins in Kauf nehmen. Bei dringenden Fällen vermittelt die 116117 auch schneller.
Wann rufe ich die 116117 und wann die 112?
Die 112 ist für lebensbedrohliche Notfälle, etwa Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, schwere Verletzungen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit. Die 116117 ist für alles, was nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten kann, aber kein Notfall ist: nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Dort sitzt der ärztliche Bereitschaftsdienst, der dich berät, an eine Bereitschaftspraxis verweist oder einen Hausbesuch schickt.
Kann ich als Kassenpatient zu einer Privatpraxis gehen?
Ja, aber du zahlst dann selbst. Eine Privatpraxis hat keine Zulassung bei den gesetzlichen Kassen und rechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte direkt mit dir ab. Die gesetzliche Krankenkasse erstattet davon in der Regel nichts. Vor dem ersten Termin solltest du deshalb fragen, ob die Praxis eine Kassenzulassung hat. In der Arztsuche der KV Berlin stehen nur Praxen mit Kassenzulassung.
Was muss ich als Neuberliner beim ersten Arztbesuch mitbringen?
Die elektronische Gesundheitskarte deiner Krankenkasse, bei Privatversicherten die Versicherungsnummer, dazu Impfpass, Medikamentenliste und, falls vorhanden, Befunde und Arztbriefe vom bisherigen Arzt. Wer aus dem Ausland kommt und noch nicht versichert ist, sollte die Versicherung vor dem ersten regulären Arztbesuch klären, weil die Praxis sonst privat abrechnet.
Diese Seite erklärt Wege und Anlaufstellen, sie gibt keinen medizinischen Rat und empfiehlt keine einzelne Praxis. Bei akuten Beschwerden wende dich an die 116117, in lebensbedrohlichen Situationen an die 112. Verbindlich sind die Angaben der KV Berlin, der 116117 und deiner Krankenkasse; Regeln zu Überweisungen und Fristen können sich ändern.